Rückblick

3. Demokratie-Tag Rheinland-Pfalz

29. Oktober 2008, IGS Ludwigshafen-Oggersheim

Demokratie lernen & (er)leben – Schule und Gesellschaft demokratisch gestalten

An der Integrierten Gesamtschule Ludwigshafen-Oggersheim fand am 29.10.2008 der 3. Demokratie-Tag statt. Unter dem Titel „Demokratie lernen & (er)leben – Schule und Gesellschaft demokratisch gestalten“ diskutierten knapp 300 Teilnehmer aus Schulen, Verwaltungen und Unterstützungsstrukturen in Rheinland-Pfalz über die Frage, wie Demokratie in der Schule erlernt werden kann. Vorträge von Prof. Dr. Thomas Olke, Vorsitzender des Sprecherrats des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement und von Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats, sowie neun Diskussionsforen boten den Teilnehmern hierzu einen ansprechenden Rahmen.

Programmheft mit allen Informationen zur Veranstaltung (PDF 3,4 MB)

Rückblick

„Demokratische Partizipation kann nicht früh genug beginnen und nicht weit genug wirken!“

An der Integrierten Gesamtschule Ludwigshafen-Oggersheim fand am 29.10.2008 der 3. Demokratie-Tag statt. Unter dem Titel „Demokratie lernen & (er)leben – Schule und Gesellschaft demokratisch gestalten“ diskutierten knapp 300 Teilnehmer aus Schulen, Verwaltungen und Unterstützungsstrukturen in Rheinland-Pfalz über die Frage, wie Demokratie in der Schule erlernt werden kann. Vorträge von Prof. Dr. Thomas Olke, Vorsitzender des Sprecherrats des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement und von Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats, sowie neun Diskussionsforen boten den Teilnehmern hierzu einen ansprechenden Rahmen.

An normalen Schultagen besuchen rund 1200 Schülerinnen und Schüler und 110 Lehrkräfte die Integrierte Gesamtschule Ernst-Bloch in Ludwigshafen-Oggersheim (IGSLO). Doch heute ist die Mehrheit der Schüler und Lehrkräfte auf Wandertag, um an ihrer Schule für die Teilnehmer des Demokratietages Platz zu machen. Die verbliebenen Schülerinnen und Schüler und Lehrer kümmerten sich um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Dabei wurde nicht nur auf die Organisation Wert gelegt, sondern auch das kulturelle Rahmenprogramm bedacht: Zum Beginn der Tagung sorgte das Schulorchester für gute Stimmung und interessierte riesige Figuren mit gelben Körpern und weißen Köpfen beobachteten die eintreffenden Gäste. Diese Wächter der Demokratie begleiteten die Teilnehmer den ganzen Tag: Mit ihrer ständigen Präsenz an den Fenstern der Turnhalle während der Eröffnungsveranstaltung und vor den Gebäude sorgten sie für Diskussionen unter den Gästen.

Werner Steiner: „Demokratie muss in der Schule gelernt werden“

Nach der Anmeldung und einem Kaffee versammelten sich die Teilnehmer zum Eröffnungsplenum in der Turnhalle, wo Werner Steiner, Schulleiter der IGSLO, sie herzlich begrüßte und die Motivation seiner Schule erläuterte, sich für das Thema ‚Demokratie lernen’ einzusetzen: „Demokrat zu sein, das geschieht nicht mit 18, sondern das muss vorher erlernt werden. Schülerinnen und Schüler müssen streiten lernen, und lernen, dies auf redliche Art zu tun. Sie müssen lernen, in der Minderheit zu sein, aber auch, in der Mehrheit Verantwortung zu tragen.“ Der Schulleiter ist fest davon überzeugt, dass alle Schulen dies leisten müssen – und seine Schule sei auf einem guten Weg. Entscheidungen werden an der „IGSLO“ im Schulparlament vorbereitet, in dem Lehrer, Eltern und Schülerinnen und Schüler gleichberechtigt vertreten sind. Die Eltern wirken an der Schule in besonderem Maße mit. Sie organisieren ein Elterncafé, begleiten in Lehrer-Eltern-Schüler-Gesprächen die Lernentwicklung ihrer Kinder und gestalten Arbeitsgemeinschaften.

Dr. Eva Lohse: „Die gerechte Lösung ist die demokratische Diskussion“

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen, Dr. Eva Lohse, zeigte sich „froh und stolz, dass der Landesdemokratietag in Ludwigshafen stattfindet.“ Sie betonte die große Bedeutung der gelebten Demokratie in der Schule. Sie sei froh, dass beim Landesdemokratietag über die Themen gesprochen werde, die Demokratie als Lebensform ausmachen: „Denn Demokratie muss in der Schule eingeführt werden. Sie beweist sich in der Streitkultur und im Umgang mit unterschiedlichen Meinungen, die alle ihre Berechtigung haben. Demokratie bedeutet daher die Suche nach einer gerechten Lösung. Doch auch, wenn es viele richtige Lösungen gibt – die gerechte Lösung ist die Demokratie und Diskussion mit allen Beteiligten – und deshalb danke ich allen, die heute darüber sprechen werden!“

Hans Berkessel: „Der Demokratie-Tag ist nur durch die vielen Partner möglich.“

Im Namen der Organisatoren dankten Sonja Student und Hans Berkessel den bisherigen Rednern und begrüßten die Teilnehmer. „Wir sind stolz, heute hier in Ludwigshafen stehen und Sie herzlich zum 3. Demokratie-Tag in Rheinland-Pfalz begrüßen zu dürfen.“ Er ist aus dem BLK-Modellprogramm „Demokratie lernen und leben“ hervorgegangen. Kurz vor dem Auslaufen des Programms stand die Frage im Raum, so Sonja Student, „wie wir all das weiterführen können, was die Schulen so engagiert und erfolgreich entwickelt haben.“ „Der Landesdemokratietag ist nur dank der vielen Partner möglich, die das Thema vorantreiben möchten“, ergänzte Hans Berkessel. So sei der Demokratie-Tag engagiert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, das Pädagogische Zentrum, die Staatskanzlei und die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ unterstützt worden. Weitere wichtige Partner seien der Grundschulverband, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. „Wir möchten heute“, schließt Sonja Student, „ein inneres Haus der Demokratie aufbauen in dieser Schule, die bereits sehr demokratisch verfasst ist.“

Vera Reiß: „Es ist wichtig, Demokratieerziehung zu stärken und zu etablieren.“

Die Staatssekretärin Vera Reiß (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur) freute sich, dass die Veranstaltung zu einer guten Tradition im Land werde, denn „es ist sehr wichtig, die Demokratie-Erziehung zu stärken und zu etablieren.“ Dafür seien ein so breites Programm und mindestens so viele Partner nötig wie beim Demokratietag. Ebenso sei die Laufzeit des Transferprogramms „Demokratie lernen und leben“, die bis Mitte 2010 geplant ist, wichtig um Partizipation in die Breite tragen zu können. Dies ist Vera Reiß ein wichtiges Anliegen. Denn all die guten Erfahrungen und hervorragenden Beispiele, die in den letzten Jahren entstanden seien und auch bei der Veranstaltung vorgestellt werden, müssten nun in alle Schulen des Landes transferiert werden. „Hier ist der Durchbruch noch nicht gelungen: Wir brauchen mehr Verbündete und mehr Kooperationen!“ Dabei betonte sie, dass Demokratieerziehung keine Kuschelpädagogik sei, sondern eine Kernkompetenz und eine Kernaufgabe von Schulen. Dabei dürfe die Demokratieerziehung nicht nur Demokratie als Herrschaftsform behandeln, sondern müsse Demokratie als Lebensform erfahrbar und erlebbar machen.

Prof. Dr. Thomas Olk: Demokratie lernen durch bürgerschaftliches Engagement

„Wir müssen anerkennen, dass Schule und Demokratie lernen nicht selbstverständlich zusammen gehen“, stellte Prof. Dr. Thomas Olk, Vorsitzender des Sprecherrates des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement, in seinem Eröffnungsvortrag fest. PISA habe jedoch eine Chance geboten, „über Bildung und Schule neu nachzudenken.“ Die neuen Anforderungen, die an junge Menschen gestellt würden, schlagen sich in neuen Lernbiografien nieder, die anders entstehen müssen als durch Frontalunterricht, in „einer Form von Bildung als anhaltendem, selbstgesteuertem Prozess der Aneignung von Welt.“ Partizipation und Demokratie hieße dabei immer, „etwas selbst zu tun.“ Das demokratische Handeln sei somit eine in der Schule wichtige Form des bürgerschaftlichen Engagements und müsse in individuellen Situationen gelernt werden. Hierzu sei es notwendig, dass Schulen andere Orte des Lernens erschließen und hierfür Kooperationen und Netzwerke knüpfen. Entscheidend sei es, „die Kooperationen mit dem Profil der Schule zu verknüpfen – und gemeinsam die Schulentwicklung Gestalt werden zu lassen.“

Dieter Dornbusch: „Eltern können der Motor der Schulentwicklung sein“

„Elternmitwirkung kann“, stimmte Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats, dem Titel seines Vortrags zu, „tatsächlich ein Motor der Schulentwicklung sein. Doch ein Motor allein könne nicht viel bewegen – es fehle das Getriebe, die Karroserie und alles, was ein Auto sonst noch brauche. So ist auch das System Schule nur dann erfolgreich, wenn alle zusammen daran arbeiten.“ Für Eltern sei die Teilnahme an Elternfortbildungen, in denen sie rechtliches Grundlagenwissen erwerben, wichtig. Denn „gut informierte Eltern bringen viel Wissen und gute Kontakte aus dem Beruf mit in die Schule“, berichtete der Vorsitzende des Bundeselternrates aus seiner Erfahrung. Doch er wisse auch, wo es noch Probleme gebe. So nutzten die Eltern noch viel zu selten den Schulbuch- und den Schulträger-Ausschuss, um ihre Interessen, Anliegen und Ideen einzubringen. Ebenso fordert Dornbusch die Schulen auf, den Schulausschuss zu stärken und die Eltern an der Arbeit am Qualitätsprogramm zu beteiligen. „So lassen sich die Erziehung in der Familie und die in der Schule verzahnen – und das ist notwendig, haben sie doch einen gemeinsamen Erziehungsauftrag!“, stellte er abschließend fest.

Große Auswahl an Foren

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung begannen die neun Foren. Die Teilnehmer konnten je eines am Vormittag und eines am Nachmittag besuchen. Je zwei Moderatoren begleiteten die Teilnehmer durch ein bis zwei Input-Vorträge und Möglichkeiten zur Diskussion.

Elternbeteiligung

Im Forum „Elternbeteiligung“ zeigte die gastgebende Schule, was sie kann: Im Schulparlament arbeiten Lehrkräfte, Schüler und Eltern gemeinsam daran, die IGSLO voran zu bringen. Es setzt sich aus insgesamt 36 Mitgliedern zusammen, von denen 27 gewählte Abgeordnete – je Jahrgang ein Elternteil, eine Lehrkraft und ein/e Schüler/in – und neun Mitglieder des Schulausschusses sind. Im Schulparlament werden alle pädagogischen und organisatorischen Belange der Schule diskutiert. Die gemeinsame Diskussion der Anliegen aller Gruppen führe dazu, dass alle Befürchtungen, Ideen und Hoffnungen aller Beteiligten in einem Kompromiss berücksichtigt werden können. Das Lehrer-Schüler-Eltern-Gespräch (LSEG) ist eine weitere Möglichkeit, Eltern an Schule und insbesondere an der Lernentwicklung ihrer Kinder zu beteiligen. Gabriele Weindel-Güdemann stellte für den Landeselternbeirat (LEB) das Konzept vor. „Das Lehrer-Schüler-Eltern-Gespräch gibt einen Überblick über die ganzheitliche Entwicklung von Schülern und unterstützt sie bei der Übernahme von Verantwortung für ihren Lernerfolg.“, fasst Weindel-Güdemann die Hauptziele des LESG zusammen. Das LSEG kann ein wichtiger Baustein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften sein. Hilfestellungen zur Einführung des Konzepts bietet der LEB mit einer Broschüre und mit Fortbildungen.

Schüler/innenpartizipation am Schulleben

Die Erich-Kästner-Regionalschule in Ransbach-Baumbach arbeitet mit einem Schulparlament, das durch Klassenräte gestützt wird. Die Lehrer Rolf Kleeberger und Georg Martin Schilk erläuterten, dass nach guten Erfahrungen mit dem Programm „SyLT“ (Systematisches Lernkompetenz-Training) in den Jahrgangsstufen 5 und 6 der Klassenrat eingeführt wurde. Nach positiven Rückmeldungen entwickelte die Schule ein Stufenparlament, das sie nach und nach in allen Jahrgängen einführte. So sei aus ihm ein Schulparlament geworden. Die gewählten Vertreter sind zugleich die Schülervertretung. In der anschließenden Diskussion freuten sich die Teilnehmer, dass sie nun endlich ein Beispiel für eine Schule kennen, die nicht „alles auf einmal“ eingeführt, sondern Schritt für Schritt die vorhandenen Ansätze weiterentwickelt habe. Im zweiten Input stellte Helga Ziemons (Sozialpädagogin an der IGSLO) das Modell des „Lerncafés“ vor. Seit drei Jahren bieten Lerncoaches aus den neunten Klassen Sechsklässlern ihre Unterstützung beim Lernen an. Dabei bilden Lerncoach und Sechstklässler für die vierwöchige Laufzeit des Lerncafés ein festes Tandem. Die Lerncoaches werden von Fachlehrern unterstützt, die jedoch ausschließlich beraten und nicht in den Lernprozess eingreifen. Durch das Lerncafé habe die Schule erfahren, dass Schüler mehr Spaß am Lernen haben, wenn sie Lernprobleme gemeinsam lösen. Die Evaluation zeige, dass das Lerncafé zunächst keine Auswirkung auf die Noten, aber auf das Selbstbewusstsein und auf die Freude am und die Aktivität im Unterricht habe.

Partizipation beim Lernen

Das Forum „Partizipation beim Lernen“ zeigte wie gewinnbringend Partizipation im Unterricht sein kann. Zunächst erläuterte Anne Seifert von der Freudenberg-Stiftung, wie mit „Service-Learning – Lernen durch Engagement“ gesellschaftliches Engagement von Jugendlichen fest im Schulalltag verankert und mit dem Unterricht verbunden werden könne. „Das gesellschaftliche Engagement wird durch das im Unterricht erworbene theoretische und konzeptionelle Wissen der Schüler bereichert und das fachliche Lernen gewinnt durch die Erfahrungen in der Realität an Relevanz, Handlungsbezug und Verständnistiefe“, erläuterte die Referentin. Sabine Flörchinger, Sozialpädagogin an der Schule, und Bettina Brückmannn, die Schulleiterin, zeigten, wie die Grundschulkinder der Freien Montessori-Schule Landau eigenständig lernen. So setze die Schule eine Forderung Maria Montessoris um: die Schüler müssen ihre Arbeit frei wählen und individuell im selbst bestimmtem Tempo lernen können. „Die Lehrperson“, erläutert die Schulleiterin, „bleibt im Hintergrund und versteht sich als Helferin und gute Beobachterin.“ Die Hauptaufgabe der Lehrkräfte sei es, mit guten Kenntnissen über die kindliche Entwicklung eine vorbereitete und anregende Umgebung zum Lernen zu schaffen. Weil die Freiarbeitsphase am besten live erlebt werden kann, hatten die beiden Referentinnen Unterstützung dabei: Fünf Kinder der Schule zeigten, wie das selbstständige Lernen in der Praxis aussieht, beantworteten die vielen Fragen und bewiesen, dass sie sich zu Recht als „Workshopleitung“ vorgestellt haben.

Partizipative Medienerziehung

Das Forum „Partizipative Medienerziehung“ widmete sich der Frage, wie sich partizipative Aspekte für die Medienerziehung nutzen lassen. In einem ersten Input-Vortrag stellte Hans-Uwe Daumann (medien+bildung.com) vor, wie sich ein modernes Pausenradio anhören kann. Sein Beispiel: edura.fm – ein Pausenradio, das Partizipation, Medienerziehung und das moderne Web 2.0 zusammenbringt. „Das Radio“, kommentierte Daumann, „ist unter den ‚alten‘ Medien das Beteiligungsmedium par excellence und lässt sich gut mit den partizipativen Aspekten des Internets verknüpfen.“ Das Internet blieb weiter Thema. Christian Kleinhanß (medien+bildung.com) legte dar, wie Schulen ihre Website zu einem Teil der Schulkultur machen können. Dies demonstrierte er am Beispiel der Grundschule Hillesheim – „eine kleine Seite mit jungen Autoren.“ Dieses Ziel verfolgt auch die Website des Gauß-Gymnasiums Worms. Sie bietet unter anderem eine „Ehemaligen-Community“ und ein elektronisches Lehrerzimmer. „Die Website“, erzählte der ehemalige Schüler Marc Diehl, „haben wir damals komplett nur mit Schülern in einer AG programmiert.“ In Kürze soll die Software mit medien+bildung.com für andere Schulen kostenlos veröffentlicht werden.

Partizipation und Integration

Im Forum „Integration und Partizipation“ wurden zwei Projekte präsentiert, die das Thema mit sehr unterschiedlichen Ansätzen bearbeiten. Kajo Hamann, Lehrer am Gymnasium Traben-Trarbach, stellte das Theaterprojekt „Europe on Stage“ vor. Das im Sokrates-Programm geförderte Vorhaben führte das Gymnasium gemeinsam mit einer Schule in Eskoriatza im spanischen Baskenland durch. Je 33 Schülerinnen und Schüler aus den beiden Ländern entwarfen, probten und inszenierten gemeinsam das Musical „Europe on Stage“. Es handelt von der Überwindung möglicher Probleme in der Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen – ein Problem, mit dem die Schüler auch während des Projektes zu kämpfen hatten. Die Siedlungsgrundschule Speyer verfolge, so die beiden Lehrerinnen Gitta Maier und Nadine Montillon, das Ziel, den Schülern eine selbstständige und selbstverantwortliche Streitregelung zu vermitteln. Das Konzept basiert auf dem Bensberger Mediationsmodell und wurde in einem Comenius-Projekt mit Schulen aus Italien, Rumänien, Schweden, Spanien und Wales weiter entwickelt. Daraus entstand das Projekt der Pausenhelfer – Schülerinnen und Schüler, die in der Hofpause Verantwortung für die jüngeren Mitschüler übernehmen.

Partizipation & Menschenrechte

Zum 60. Jahrestag der Menschenrechtserklärung erläuterte Reiner Engelmann die Bedeutung der Menschenrechtserziehung in der Schule. Als Autor schreibt er zum Thema und ist Sozialpädagoge an der Schule am Ellerbach. Engelmann beschrieb drei Ebenen, auf denen sich erfolgreiche Menschenrechtsbildung vollziehen müsse. Das Lernen über Menschenrechte meine die Vermittlung sachlicher Inhalte, auf der Ebene des Lernens durch Menschenrechte solle mit einer Vielfalt an Beispielen die eigenen Haltungen und Einstellungen reflektiert und mit dem Lernen für Menschenrechte Handlungs- und Kommunikationskompetenzen vermittelt werden. Ein Beispiel für die erfolgreiche Behandlung des Themas Kinderrechte lieferte Siglinde Burg, Schulleiterin der Grundschule Süd in Landau. Die Schule führte im ersten Halbjahr 2007 eine Themenwoche durch, in der die Kinderrechte direkt im Unterricht behandelt wurden. Ihre Ergebnisse präsentierten sie ihren Eltern bei einem gemeinsamen Frühstück. Die Bedeutung der Kinderrechte setzten sie in „Himmelsleitern für Kinderrechte“ und einem Kinderrechte- Rap um und führten sie dem Oberbürgermeister der Stadt Landau und anderen Kommunalpolitikern vor.

Rechtsextremismus & Gewaltprävention

Gewaltprävention sei, so Vera Reiß in ihrem Grußwort, eng mit dem Thema Demokratieerziehung verwandt. Kein Wunder also, dass das Thema auch ein Forum erhielt. Für den fachlichen Input sorgten Josef Ising (Lehrer an der IGSLO) und Hans Jürgen Ladinek (Kriminalhauptkommissar bei der Polizeidirektion Ludwigshafen, Beauftragter für Jugendsachen). Zusammen stellten sie das Projekt „Gewaltprävention im Tandem „Lehrer – Polizist“ vor. Mit dem Training stärken sie Jugendliche und Erwachsene, damit sie sich auf mögliche Gewaltsituationen besser einstellen und dadurch verhindern können, dass sie potentielles Opfer werden. Das Trainingsprogramm liegt auch gedruckt als Handbuch „Deeskalationstraining – handlungsorientierte Bausteine zur Gewaltprävention“ vor.

„Come in Contract“

Im Forum „Come in Contract – ein Beteiligungsmodell für Kommune und Schule“ stellten Jens Voll (Werkstatt für Bildung und Beteiligung) und Roland Grammes (Bund deutscher Pfadfinder/innen) das Projekt „Zukunft – Nur mit uns!“ vor. Es verfolge das Ziel, Jugendliche an sie betreffenden kommunalen Entscheidungen zu beteiligen und ihnen Mitsprachemöglichkeiten zu eröffnen. Hierzu diene ein moderierter Prozess mit mehreren Schritten. Eine Informationsveranstaltung informiere die Öffentlichkeit und strukturiere das Vorhaben. Im zweiten Schritt entwickelten die Jugendlichen an einem Aktionstag Veränderungsvorschläge. Diese konkretisierten sie und planten Projekte. In einer gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat und Jugendlichen werde ein Vertrag verabschiedet und daraus ein „Starterprojekt“ umgesetzt.

Schule und bürgerschaftliches Engagement

Den fachlichen Input im Forum „Schule und bürgerschaftliches Engagement“ übernahm Birger Hartnuß, Referent in der Leitstelle „Bürgergesellschaft und Ehrenamt“ der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Seinem Vortrag gab er den programmatischen Titel „Schule als demokratischer Ort und partnerschaftlich orientiertes Lernzentrum im Gemeinwesen“. Bürgerschaftliches Engagement bedeute als Bildungsziel, soziales Lernen und Kompetenzen wie Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit und soziales Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Schule brauche hierbei Unterstützung durch die Kooperation mit Partnern. Dadurch könnten Lern- und Erfahrungsräume innerhalb und außerhalb der Schule eröffnet werden. Bürgerschaftliches Engagement kann somit als Bildungsort für soziale Kompetenzen und „Bürgerschaftlichkeit“ verstanden werden. Es sei daher „geboten, schulische und außerschulische Bildungspotenziale bei der Gestaltung von Bildungsprozessen neu aufeinander zu beziehen“, beschreibt dies Birger Hartnuß.

Gemeinsamer Abschluss des Demokratie-Tags

Nach der zweiten Forenrunde kamen die Teilnehmer erschöpft, aber mit viel neuem Wissen und vielversprechenden Ideen zur Abschlussveranstaltung zusammen. Wieder wiesen die Wächter der Demokratie ihnen den Weg. Die Teilnehmer fragten sich, ob ihr Geheimnis nun gelüftet würde. Zunächst waren sie jedoch überrascht von der filigranen, aber etwas schiefen Konstruktion aus Bambus – das innere Haus der Demokratie, das die Organisatoren in der Eröffnung angekündigt hatten. In einem Workshop wurde es von teilnehmenden Schülern gestaltet. Die Wächter der Demokratie sind das Ergebnis eines weiteren Kunstprojektes: Sie wurden unter Leitung von Frau Ehrling, Lehrerin an der IGSLO, vom LK Bildende Kunst, der AG Darstellendes Spiel und einer elften Klasse entwickelt und entworfen und von jungen Schülerinnen und Schülern gespielt. Ihre Leistung bedachten die Teilnehmer mit starkem Applaus. Die Ergebnisse der Foren stellten Teilnehmer in kurzen Statements vor. „Partizipative Medienprojekte machen Demokratie lebendiger“ oder „Verkrustete Strukturen werden aufgebrochen!“ sind zwei Beispiele. Mit einem dritten Statement gelang es den Teilnehmern, der ganzen Veranstaltung ein Motto zu geben:

„Demokratische Partizipation kann nicht früh genug beginnen und nicht weit genug wirken!“